Wagen 0166 123


Dieser VW Schwimmwagen hat die Wannen-Nr. 0166 123. Das Fahrzeug ist eines der 125 Vorserienfahrzeuge, die zu weiteren Testzwecken vor der Großserie bei der Firma Porsche produziert wurden. Ferdinand Porsche war der Konstrukteur des Schwimmwagens. Dieser Schwimmer ist der 123ste Wagen des Typ 166, der gebaut wurde. Von den 125 Fahrzeugen sind mir mit diesem noch fünf Fahrzeuge bekannt. Das sind Wagen Nr. 5, 81, 91, 115 und 123. Alle anderen Schwimmwagen stammen aus der Großserie von VW.

Die Vorserienfahrzeuge weisen enorme Unterschiede zur Gro▀serie auf. Selbst viele "Experten" der Schwimmwagenszene kennen einige dieser Unterschiede nicht. Da heisst es dann oft "Hat es nie gegeben".

Die Wannen wurden bei der Fa. Ambi Budd in Berlin gebaut. Die Vorserienwanne war komplett handgefertigt. Die Seitenteile waren z.B. aus mehreren Blechen zusammen gesetzt. Bei der Großserie war dies ein einzelnes Preßteil. Viele Verstärkungsholme haben eine andere Form und sind ganz anders angeordnet. Die Abschlepphaken haben eine andere Befestigung an der Wanne. Es gab sogar vier Halterungen an der Wanne, wo man gedachte eine Anhängerkupplung befestigen zu wollen. Davon ist man aber schnell wieder abgekommen, da die Wanne an der Stelle überhaupt keine Stabilität hat. Bei der Großserie ist davon jedenfalls keine Rede mehr gewesen.

Bei diesem Schwimmer ist die Wannen-Nr. und die Fahrgestell-Nr. gleich ! Bei der Großserie bekamen die Fahrzeuge eine eigene Fahrgestell-Nr. von VW. Diese war normalerweise nie identisch mit der Wannen-Nr.. Außerdem bekam der Schwimmwagen als Typbezeichnung die Zahl 7. Das heißt, das eine Schwimmwagen Motor-Nr. der Großserie z.B. 7-020005 lautete. Bei dem Vorserienbau nahm man die vorhandenen Teile einfach aus dem Regal. Die originale Motornummer von 0166 123 lautet 3-009054.

This VW Schwimmwagen has the body Number 0166 123 (meaning Type 166, vehicle # 123) and is one of the PORSCHE test vehicles. Of the 125 Schwimmwagens built by Porsche, five are still known to exist; #5, #81, #97, #115, and this, #123. All other VW Schwimmwagens are from the later production series. Many Schwimmwagen 'experts' know nothing about the Porsche tests and often say "That's not original." In this text, I shall refer to the Porsche vehicles as the early series, and to the Volkswagen production vehicles as the production series. There are numerous differences.

The body was built by Ambi Budd in Berlin. The early series body was totally handmade and the sides and bottom were welded from six pieces. The production series sides were stamped in one piece. On the early series, the two rear hooks are low on the body, and above have additional fixtures for a trailer coupling. Tests showed the body was not strong enough, and attaching a trailer was never considered in the production series. Early series vehicles like this one have the same body and chassis number! The production series has a body number from Ambi Budd and a chassis number from VW. The Volkswagen Type Number for the Schwimmwagen was 7, so an engine could be 7-020005 or a body could be 7-006456. The type 7 number was not yet decided during the Porsche production; for this reason this car have the same body and chassis number, and the engine has the number 3-009054.

Lebenslauf dieses Schwimmers

0166 123 ist am 25.06.1942 bei Porsche in Stuttgart fertig produziert worden. Am 01.07.1942 wurde der Schwimmer dann nach Berlin Lichterfelde-West zu einer Einheit der Waffen SS ausgeliefert. Zu 95% zur Leibstandarte Adolf Hitler ( LAH  ) laut Bundesarchiv in Koblenz.( Kennt jemand eine Auflistung, welche Einheiten in Berlin Lichterfelde-West sonst noch stationiert waren ??? ) Von da an verliert sich erst einmal der Weg des Schwimmers. Leider !

Nach dem Kriege soll der Wagen aus Österreich nach Deutschland gekommen sein. Er war dann lange Jahre im Besitz eines Landwirtes. Als dieser ihn nicht mehr brauchte, stand er lange Zeit in einer Scheune. Von dort wurde er weggekauft, zurechtgeschustert und für den öffentlichen Strassenverkehr wieder zugelassen. Im Jahre 1974 endete dann das Dasein auf der Strasse. Der Wagen war so durchrostet, dass er abgemeldet wurde. Ich war im Besitz des Fahrzeugbriefes und habe den eingetragenen Besitzer von damals schon befragt. Als ich mich bei ihm meldete, wollte er gar nicht glauben, dass sein alter Schwimmer noch existiert. ( Er fragte sofort, ob er zu verkaufen sei ). Nach der Abmeldung wurde der Wagen dann verkauft und es passierte nichts mit ihm. Um 1990 wurde der Wagen dann nach Hamburg verkauft. Der Käufer hatte selber nicht die handwerklichen Möglichkeiten den Wagen zu restaurieren. Er wollte den Wagen irgendwann restaurieren lassen. Mein Glück war, dass er das nötige Kleingeld dafür nicht gerade so übrig hatte. Somit kam es die ganze Zeit nicht zu einer Restauration. Ich kaufte von der Person Zündapp KS 750 Wehrmachtsgespann Teile. Bei dem Kauf der Teile konnte ich einen Blick auf den Schwimmer erhaschen, wie er so in der Scheune lag. Da war es das erste Mal um mich geschehen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt aber auch nicht das nötige Kleingeld, da ich schwer an meiner KS 750 am restaurieren war. Nachdem sich meine Geldbörse ein wenig erholt hatte, tastete ich mich ein wenig vor, um mehr über den Schwimmer zu erfahren. Der Besitzer aus Hamburg hatte zwischenzeitlich mitbekommen was aus seinen KS 750 Teilen "Schönes" entstanden war. Ich musste ihn wirklich schon sehr nerven und immer wieder bohren bis wir zu einem ernsten Gespräch zwecks Verkauf des Schwimmers kamen. Sein Herz hing wirklich sehr an dem Wagen. Er wollte ihn auf keinen Fall an jemanden verkaufen, der ihn nur zusammen basteln wollte. Er sagte mir ins Gesicht. " Ich verkaufe ihn Dir nur, weil ich weis, wie schön Deine Zündapp geworden ist. Und ich bestehe darauf das der Schwimmer genauso wird." Ich hatte glaube ich auch gerade einen guten Zeitpunkt getroffen. Er meinte, das Geld vom Schwimmer jetzt auch gut woanders einsetzen zu können. Und so wie es aussieht würde er ihn sowieso nicht fertig bekommen. Also ging das Geschäft über die Bühne.

Bis dahin wusste ich noch gar nicht was ich da überhaupt gekauft hatte ! Ich holte mir einen "VW Schwimmwagen" nach Hause. Ich wusste, dass ich einen frühen Schwimmer gekauft hatte. Aber nicht, dass es ein Vorserienwagen von Porsche war !!! Nach ein paar Tagen schrieb ich dann an VW. Ich wollte mehr über diesen Wagen erfahren. Als Antwort kam, die Fahrgestellnummer (0166 123 ) sei falsch ! So etwas hat es bei einem Schwimmwagen nie gegeben. Ich solle nach etwas suchen was mit einer 7 anfängt.

Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich hatte die originalen Typenschilder. Alle Nummern sahen perfekt aus, nichts war verbastelt, und VW wollte von diesem Wagen nichts wissen. Ich studierte alle Bücher noch einmal, die ich mittlerweile über den Schwimmer angesammelt hatte. Überall waren Bilder drin, wo die frühen Schwimmer abgebildet waren ( runde Stossstangen usw. ). Und plötzlich stolperte ich in einem Buch über die Zahl "125" und "Vorserienwagen" !!! Produziert bei PORSCHE. Die Serie wurde dann bei VW gefertigt. Ich nahm mit PORSCHE Kontakt auf, und plötzlich hatte sich das kleine Geheimnis des Wagens gelüftet.

Fotogalerie

Schwimmer bei der Abholung. Rechts die originalen Typenschilder

Wanne von unten. Hinten, unter dem Motor, wurde die gesamte Wanne in der Nachkriegszeit ausgeschnitten, da es wohl Probleme mit Motoüberhitzung und der Montage des Motors gab. Rechtes Bild zeigt die linke Wannenseite. Alle kleinen Anbauteile, wie z.B. der Spatenhalter, sind noch vorhanden.

Motordeckel geöffnet. Im Deckel sieht man einen rechteckigen Rahmen. Dies ist bei der Vorserie das Werkzeugfach. In diesem Falle fehlt noch die Verschlussklappe dazu. Rechts einer der Griffe und Verschlüsse des Motordeckels.

Luftaustrittsöffnung vor dem Motordeckel. Hier wurde die warme Motorluft aus dem Motorraum geleitet. Rechts Heckansicht. Dort sitzt normalerweise der Schwimmantrieb. Hier wurde ebenfalls eine Öffnung eingebracht, damit die Motorhitze besser abströmen konnte.

Luftansaugöffnung für die Motorkühlung. Dieses Abdeckblech sieht bei den Serienwagen komplett anders aus. Dieses originale Bauteil ist warscheinlich das Einzige erhaltene. Bei allen anderen Vorserienwagen, die noch bekannt sind, fehlt dieses. Das ca. 10 cm grosse Loch auf der rechten Seite des linken Fotos ist von einem grossen Granatsplitter. Die Beschädigungen davon gehen durch die gesamte Wanne. Ein glatter "Durchschuss" also !

Auf dem rechten Foto ist die Fusshebelei zu sehen.

Dies ist der Schaltbock mit dem die normalen Fahrstufen eingelegt werden. Rechts die Antriebswellen Abdeckung dazu.

Dies ist das vordere Differentialgehäuse in einer der frühen Ausführungen. ( Es gab wohl drei verschiedene, mit kleinen Änderungen ). Bei dem Grossseriengehäuse war die vordere rechteckige Platte dann auch noch zu demontieren. Dadurch wurde der Vorderachsausbau erheblich vereinfacht.

Andrehkurbel und Radschlüsselhalter an der rechten vorderen Beifahrerseite. ( Das rechteckige Teil in der Mitte des Fotos ). Das Rohr links ist die vordere MG Lafette. Schwimmermotor unrestauriert.

Wanneninnenraum linke Seite. Rechts ist der Fahrersitz zu sehen.

Drehstababdeckung an der Hinterachse aus Aluminium. Diese wurden später aus Blech gefertigt. Rechts ist der Fahrzeuginnenraum im hinteren Bereich zu sehen.

Fahrerplatz

Getriebegehäuse mit "Innereien". Rechts sind die vorderen Doppelgelenkwellen der Lenkung in der zweiten Ausführung (ab 1944) zu sehen. Die frühere Ausführung hatte in der Hülse ( Das runde Tonnenförmige Teil in der Mitte ) nur eine Schraube.  Die erste Ausführung war kaum reparabel, die zweite Ausführung lies sich leicht reparieren.      

Schwimmantrieb zerlegt. Ein paar Einzelteile fehlen auf dem Foto.

Hier ein originales Wehrmachtspaddel. Genau passend zu dem Schwimmer. Baujahr 1942 und mit Wa Abnahmestempel.

Home

Restaurierung

Literatur

Mail